Furioser Beginn – Bitteres Ende

Offener Schlagabtausch geht mit 7:5 an den SV Schonstett

Voll belegte Parkplätze in der Jettenbacher Ortsmitte am Mittwochabend. Das kann üblicherweise nur heißen: Fußballtime! Das Nachholspiel der A-Klasse Gruppe 3 zwischen der SpVgg Jettenbach und dem Aufsteiger SV Schonstett stand auf dem Programm. Nach der hohen Pleite der Kufner-Truppe beim Lokalderby in Taufkirchen (ebenfalls Aufsteiger aus der B-Klasse) stand Wiedergutmachung an. Diese gelang zum Teil, führte aber erneut zu keinen Punkten. Vor dem Kellerduell mit dem SV Waldhausen am Freitag den 2.Oktober um 19.00 Uhr (drittes Spiel innerhalb von 7 Tagen) erneut auf dem Jettenbacher Sportplatz, spitzt sich die Situation für die Akteure im grün-weißen Trikot mehr und mehr zu. Insbesondere die Flut an Gegentoren (28 in 5 Spielen) lässt nicht nur die Fans ratlos zurück. Das Endergebnis von 7:5 erinnert mehr an ein Eishockey als an ein Fußballspiel. Für die Zuschauer sehr unterhaltsam, für die Trainer dagegen ein Alptraum. Jettenbachs Spielertrainer Raphael Kufner (selbst verletzt) baute seine Anfangsformation kräftig um und bot überraschend Oldie und Fußballrentner Thomas Mittermaier in der Innenverteidigung auf. Leider war dessen Kameradschaftsgeist nur von kurzfristiger Dauer. Nach einer halben Stunde war wegen einer Verletzung wieder Schluss. Schonstetts Spielertrainer Yannick Albrich musste auf Stammkeeper Sergey Aselbor verzichten, stellte wie beim Heimsieg gegen Oberndorf Michael Bialas (Keeper der 2.Mannschaft) ins Tor und wechselte dann zur Halbzeit auf Johannes Mühlbauer. Bialas wechselte vom Tor aufs Feld und wurde in der Schlussphase mit 2 Treffern zum Matchwinner. Der Fußball schreibt eben verrückte Geschichten.

Spieldaten:

Ergebnis: 5:7 (4:3)

Tore:

SpVgg Jettenbach: Iulian Stoica (3./12.Min.), Emanuel Ciurdaru (33.Min.), Marcel Schesler (45.Min.), Alexander Harih (53.Min.);

SV Schonstett: Yannick Albrich (7./38./59.Min.), Michael Bialas (83./90.+5.Min.), Alexander Witte (23.Min.), Fabio Ostermeier (56.Min.);

Schiedsrichter:

Christoph Spitale, TSV Emmering (Kreisliga)

Man hat den Mann aus dem Nachbarort (früher für den FC Grünthal an der Pfeife) schon souveräner erlebt. Beide Vereine haderten insbesondere mit der einen oder anderen Abseitsentscheidung. Dennoch hatte er die Partie jederzeit im Griff.

Zuschauer: 100

Gelbe Karten:

SpVgg Jettenbach: Thomas Mittermaier;

SV Schonstett: Alexander Witte, Marcus Rieger, Michael Bialas, Yannick Albrich;

Besonderheiten: Keine

Aufstellungen:

SpVgg Jettenbach:

Alexandru Pol, Lukas Beham, Marcel Schesler, David Schmalzgruber (C), Alexander Harih, Anton Hannak, Iulian Stoica, Thomas Mittermaier, Marius Loba, Michael Gottwald, Emanuel Ciurdaru;

Eingewechselt:

Artur Begert (29.Min.), Bassala Toure (35.Min.), Sebastian Gottwald (46.Min.), Patrick Wieser (67.Min.), Daniel Peric (76.Min.);

Trainer: Raphael Kufner

SV Schonstett:

Michael Bialas, Simon Osterloher, Simon Dirnecker, Johannes Hofmeister, Benjamin Schneid, Fabio Ostermeier, Alexander Witte, Julian Putz, Balthasar Elpolt, Marcus Rieger (C ), Yannick Albrich;

Eingewechselt:

Johannes Mühlbauer (46.Min.), Timo Düsterhöft (46.Min.), Tobias Angerer (87.Min.), Adrian Donath (90.+5.Min.)

Trainer: Yannick Albrich

Spielbericht:

Unter den Augen zahlreicher Spieler des nächsten Gegner SV Waldhausen entwickelte sich über die gesamte Spielzeit ein offener Schlagabtausch. Dazu trugen auch frühe Tore bei. So zündete bereits in der 3.Minute Alexander Harih auf der Außenbahn den Turbo, schüttelte seinen Gegenspieler ab und seine Flanke erreichte am hinteren Torpfosten Iulian Stoica, der Keeper Bialas mit einem Treffer ins lange Eck überraschte. Doch die Freude der Mannschaft und Zuschauer währte nicht lange. Nur einige Zeigerumdrehungen später war Gästespielertrainer Albrich zur Stelle, als Jettenbachs Defensive zum ersten Mal schlecht aussah. Ein Querpass durch den gesamten Fünfmeterraum erreichte Albrich, der beim ersten Versuch noch an Keeper Pol scheiterte, den zweiten Versuch dann aber versenkte. Der muntere Schlagabtausch setzte sich fort. Nach einem Foul an Loba, nagelte Stoica einen Freistoß mittels Unterkante der Latte in den Giebel. So schön der Treffer auch war, es war die sogenannte Torwartseite. Beide Teams auch im Anschluss mit offenem Visier. Es ging hin und her, ehe die Gäste die Schwachstellen der Jettenbach Defensive gnadenlos aufdeckten. Mit Schnelligkeit über die beiden Außenbahnen kamen die Gäste zu ihren nächsten Chancen. So vergab Schonstetts Schneid freistehend aus 11 mtr., ehe nach einer weiteren Flanke von der Torauslinie, der Ball den Kopf vom komplett am Fünfer blank stehenden Alexander Witte erreichte, der sich diese Chance natürlich nicht entgehen ließ. Die Kufner-Elf dieses Mal von David Schmalzgruber als Kapitän angeführt, ließ sich jedoch nicht entmutigen. Emanuel Ciurdaru brachte mit einen Freistoßhammer aus gut 30 mtr. Entfernung flach ins Eck, sein Team erneut in Führung. Und wieder hielt diese Führung nicht lange. Stoica vergab nach einer schönen Kombination eine höhere Führung, ehe erneut ein „billiger“ Treffer zum Ausgleich führte. Das Muster identisch. Schnell über die Außenbahn und innen die Passivität der Abwehr im Zweikampfverhalten gnadenlos ausnutzen. Albrich der erneute Torschütze. Positiv die Moral der Gastgeber, die den erneuten Ausgleich schluckten, aber sofort wieder in den Angriffsmodus schalteten. Ein Freistoß von Toure ging knapp über das Gebälk, ein Distanzschuss von Begert und eine Fußabwehr von Schonstett Keeper Bialas im 1:1 Duell gegen Toure die nächsten Chancen zu einem Torerfolg. Dieser stellte sich dann noch kurz vor dem Halbzeitpfiff ein, als sich Schesler nach Vorarbeit von Toure, im Strafraum durch eine kurze Körperdrehung den nötigen Platz für den Abschluss ins lange Eck verschaffte. Eine kurzweilige erste Halbzeit ging mit einer verdienten Jettenbacher Führung zu Ende.

Die Gäste wechselten in der Pause den Torhüter, Jettenbach brachte Sebastian Gottwald für Anton Hannak. Und erneut erwischten Schmalzgruber und Co. den besseren Start. Nach einer schönen Kombination durfte Alexander Harih sich als Torschütze eintragen. Die Weichen für einen Sieg schienen gestellt, doch es kam anders. Denn erneut nur einigen Minuten später stellten die Gäste den Anschlusstreffer her. Wie dieser entstand, kann man sich denken. Langer Pass, der Angriffsspieler erneut schneller als sein Jettenbacher Widersacher und der Flachschuss von Ostermeier in die lange Ecke dann nicht mehr haltbar. Ostermeier im Schonstetter Spiel auch der zentrale Mann und Dreh und Angelpunkt. Als in der 59.Minute dann Spielertrainer Albrich im vierten Versuch, die drei vorherigen wurden von Keeper Pol (2x) und einem Abwehrbein noch entschärft, zum dritten Mal jubeln durfte und zum fünften Mal in der Partie den Schonstetter Ausgleich schaffte, war im Jettenbacher Lager schon Krisenstimmung im „Kopfkino“ angesagt. Die Gäste bestimmten fortan das Spielgeschehen, die Konditionsmängel der Kufner-Truppe mehr und mehr sichtbar. Wenn die Beine schwer und der Kopf müde werden……..Es war über längere Zeit Keeper Pol zu verdanken, dass man nicht in Rückstand geriet. Er zeigte einige starke Paraden, so u.a. gegen Witte, muss jedoch noch am richtigen Zeitpunkt des Herauslaufens arbeiten. Obwohl mittlerweile auf wackligen Beinen unterwegs, konnten sich die Gastgeber noch den Gästeangriffen durch Leidenschaft erwehren. In der 83.Minute war es dann aber soweit. Das Schonstetter Muster schlug erneut zu. Langer Pass über Außen, Querpass und Abschluss. Simpel und einfach, an diesem Tag aber für die Spielvereinigung nicht lösbar. Bialas in der ersten Halbzeit noch als Keeper im Brennpunkt der Torschütze. Symptomatisch auch der zwölfte Treffer in der Partie mit dem Schlusspfiff. Einen Einwurf von Begert kurz vor der Mittellinie in der eigenen Hälfte konnte Schmalzgruber nicht kontrollieren und Bialas war dann auf und davon. Sein Heber über Keeper Pol der Schlusspunkt in einer unterhaltsamen Partie, die die Kufner-Truppe nicht hätte verlieren müssen.

Fazit:

Als Zuschauer Manfred Nitsch vor Spielbeginn etwas ironisch zum Berichterstatter sagte: Hast du heute eine Strichliste dabei (8 Treffer von Taufkirchen) dürfte er dabei nicht im Kopf gehabt haben, dass dieser Wert an diesem Abend noch deutlich getoppt werden würde.

Wenn man 5 eigene Treffer erzielt, sollte man normalerweise in einer Begegnung als Sieger vom Platz gehen. Dass dies nicht der Fall war, eindeutig der teils chaotischen Defensivarbeit (beginnt vorne und endet hinten) zu verdanken. Man lädt die gegnerischen Spieler buchstäblich zum erfolgreichen Abschluss ein. Hier heißt es den Hebel anzusetzen, um gegen Waldhausen endlich zu punkten. Ansonsten ist der „Abstiegszug“ nach der Hälfte der Hinrundenspiele kaum noch aufzuhalten. Es heißt die Weiche(n) richtig zu stellen, einen oder mehrere Rammböcke auf das Gleis zu stellen. Wenn man der Schnelligkeit seiner Gegenspieler (mehr als ersichtlich in den Spielen gegen Taufkirchen und Schonstett) nicht folgen kann, muss man andere adäquate Abwehrmittel finden und anwenden. Leichter gesagt als getan, aber nur so wird es gehen um die Gegentorflut zu beenden.

Am Rande:

Chaotisch ging es nicht nur auf dem Spielfeld zu. Nach der Partie waren einige Zuschauerbereiche mit leeren Flaschen auf Bänken und Rasen übersäht. Sind denn die wenigen Meter bis zum Kiosk für den einen oder anderen Fan schon zu viel?

Jettenbach – 20.September 2026

Bericht: Peter Schillmaier