Wieser früh – Stoica spät – der Rest ist wurscht!

Drama in Jettenbach – Klassenerhalt gesichert!

Nach einer Horrorsaison sichert sich die Spielvereinigung durch einen Last-Minute Sieg den Klassenerhalt und schickt damit gleichzeitig den TSV Soyen in die B-Klasse. Der 2:1 Erfolg im sogenannten Showdown-Spiel glücklich, aber dies interessierte nach dem Schlusspfiff keinen mehr. Riesenjubel auf Jettenbacher Seite – pure Enttäuschung natürlich auf Seite der Soyener Gäste, die sich in den letzten Jahren immer wieder vor dem Abstieg retten konnten.

Vollkommen geschafft und um einige Gramm leichter trotz reichlich Flüssigkeitszufuhr, auch Jettenbach`s Vorstand Thomas Loose. Vor einer Woche ging seine Fortuna (Düsseldorf) den Weg in die dritte Liga, einen weiteren Abstieg hätte die Bayerisch-Rheinländer Frohnatur nur schwer verkraftet. Am bisher heißesten Tag des Jahres gab es Drama pur auf dem Bundesligatauglichen Rasen des Jettenbacher Sportplatz. Der Fußballgott war an diesem Tag auf der Seite der Cuedan-Elf, der eine Bierdusche über sich ergehen lassen musste, bevor er ein letztes Mal Hand in Hand mit seiner Jugendliebe und Frau Corinna über den Platz spazierte. Wie einst Franz Beckenbauer in Rom wird er das für den Jettenbacher Herrenfußball so wichtige Spiel nochmals durchgegangen sein. Für den scheidenden, sympathischen Jettenbacher Trainer (geht in den Juniorenbereich zum SV Aschau – dabei hätte er weit höhere Klassen im Kreuz) war es ein passendes Abschiedsgeschenk seiner Jungs. Zudem wurden vor dem Spiel auch noch Thomas Mittermaier (19 Jahre im Dress der Spielvereinigung/480 Spiele) sowie Gerry Friedrich (25 Jahre/555 Spiele) in den Ruhestand verabschiedet. Ob auf oder neben dem Platz – beide prägten die Spielvereinigung in den letzten Jahrzehnten und bleiben hoffentlich noch unterstützend am Bord.

Spieldaten:

Ergebnis: 2:1 (1:1)

Torschützen: 1:0 (1.Min.) Patrick Wieser – 1:1 (27.Min.) Tobias Proksch (der Unparteiische wertete es nicht als Eigentor von Maxi Mußner) – 2:1 (90.+1.Min.) Iulian Stoica;

Zuschauer: 180

Schiedsrichter: Markus Geithner, SV Wacker Burghausen

Ein absolut souveräner Referee, der eine gesunde Härte zuließ und auch auf die Trinkpausen verzichtete;

Karten und Zeitstrafen:

SpVgg Jettenbach:

Gelbe Karten: Raphael Kufner, El Mehdi Dkhissi;

Zeitstrafe: El Mehdi Dkhissi (90.+2.Min.)

TSV Soyen:

Gelbe Karten: Kondodti Assad, Leo Bacher;

Gelb/Rote Karte: Leo Bacher (90.+3.Min.)

Aufstellungen:

SpVgg Jettenbach:

Alexandru Pol, Florian Asanger (C), Thomas Mittermaier, Patrick Wieser, Maximilian Mußner, Danis Glamocic, Raphael Kufner, Iulian Stoica, Liviu Pantea, Artur Begert, Emanuel Ciurdaru;

Einwechselungen: Florian Mittermaier (32.Min.), Michael Gottwald (46.Min.), Marius Loba (71.Min.), El Mehdi Dkhissi (83.Min.), Sebastian Gottwald (85.Min.);

Trainer. Dan Cuedan

TSV Soyen:

Maximilian Huber, Kondodti Assad, Matthias Held, Matthias Redenböck, Josef Spagl, Andreas Baumgartner, Pascal Ridinger, Matthias Ganslmeier, Tobias Proksch (C), Philipp Fischberger, Jonas Ganslmeier;

Eingewechselt: Leo Bacher (67.Min.), Manfred Haindl (73.Min.), Lukas Wittchow (75.Min.)

Trainer: Thimo Lämmlein

Spielbericht:

Showdown in Jettenbach am vorletzten Spieltag der Fußball A-Klasse Gruppe 3 in der Saison 2025/2026. Auf Facebook, Instagram, WhatsApp ec. konnte man den Aufruf der Jettenbacher Fußballer um Unterstützung für das „finale Spiel“ lesen. Und tatsächlich rafften sich auch einige ehemalige Größen des Jettenbacher Fußball (u.a. Max Forster, Ralf Wagner) auf, um die Mannschaft zu unterstützen. Einige andere ehemalige Jettenbacher Sportler ließen aber die Eier in der Hose vermissen. Es war natürlich auch bestes Ausflugswetter am Pfingstsamstag. Dennoch fand sich eine beträchtliche Anzahl von Zuschauern in der Jettenbacher Ortsmitte ein. Auch das Soyener Team wurde von zahlreichen Fans unterstützt. In den Seiten offene Zelte sollten die Sonnenstrahlen von der Haut fernhalten. Nervosität auf beiden Seiten war zu verspüren. Sogar die Pfälzer Unterstützung Mike Schepanski war angespannt. Der Gerstensaft floss, die Grillkohle glühte. Es war sozusagen angerichtet. Vor der Partie die bereits angesprochenen würdigen Verabschiedungen und nach dem Anpfiff dauerte es nur drei Ballberührungen bis die Kugel im Netz der Gäste lag. Anstoß Jettenbach – Rückpass auf Raphael Kufner, der den Ball weit in die Soyener Hälfte auf Patrick Wieser spielte. Nach 18 Sekunden lag der Ball mittels Innenpfosten im Netz der Gäste. Die Zuschauer staunten, der Jubel auf und neben dem Platz groß. Das schnellste jemals in Jettenbach erzielte Tor (so weit wagt sich der Berichterstatter aus dem Fenster) geht sicherlich in die Annalen der Jettenbacher Fußballgeschichte ein, wie insgesamt der 23.Mai 2026.

Manche unkten vor der Begegnung vom letzten „Jettenbacher“ Herrenspiel auf eigenen Platz in der Vereinsgeschichte. Es sollte Gott sei Dank anders kommen. Den frühen Schock mussten Proksch und Co. erst einmal verdauen. Maxi Mußner traf in einem ausgeglichenen Spiel nur das Außennetz, ehe die Gäste mit einem Pfostenschuss unter Beweis stellten, dass man nicht nur zum Wassertrinken nach Jettenbach kam. Das Spiel auf bescheidenem Niveau und mit nur wenigen Höhepunkten in den Strafräumen. Als sich Wieser einmal durchsetzen konnte, klärte der baumlange Kondodti Assad kurz vor der Linie. In der 27.Minute jubelte dann Soyen, als nach einem Eckball, der flach auf den kurzen Pfosten kam, der Ball urplötzlich im Netz lag. Abgefälscht von wem auch immer, der Ausgleich war perfekt, die Ausgangslage wie vor dem Spiel. Die Cuedan-Truppe musste ein Tor erzielen, um sich nicht auf den letzten Spieltag verlassen zu müssen. Es wäre russisches Roulette gewesen. Kufner und Co. taten sich aber schwer, es kam kein Spielfluss auf. Man musste zudem Liviu Pantea früh austauschen. Es ging nicht mehr, auch Kapitän Sebastian Gottwald senkte bereits vor dem Anstoß den Daumen.  Die zumeist hoch und weit in die gegnerische Hälfte geschlagenen Bälle landeten irgendwo, nur nicht beim Mitspieler. Bei einem Soyener Distanzschuss war Keeper Pol rechtzeitig unten. Die Hitze setzte den Akteuren mehr und mehr zu. Fitness muss man sich nun mal erarbeiten. Soyens Abwehrchef Kondodti Assad schon vor dem Pausenpfiff zu seinen Mitspielern: Männer, die können nicht mehr! Gemeint waren Jettenbachs Spieler, von denen einige tatsächlich schon auf dem Zahnfleisch daherkamen. Der Halbzeitpfiff entließ beide Teams in die Kabinen. Das ist bisher zu wenig, so der überwiegende Tenor der Jettenbacher Fans beim „Pausentee-Plausch“ mit Hopfengeschmack. Wir haben nach dem 1:0 nur noch verwaltet, so Franz Mußner jun.

Auch Jettenbachs Trainer Dan Cuedan sah die Schwierigkeiten seiner Mannschaft, stellte zum Wiederanpfiff die Taktik um und beorderte zudem Allzweckwaffe Raphael Kufner in das Mittelfeld. Die Gäste besser im Spiel, meistens Zweikampfsieger, aber wie die Gastgeber mit großen Problemen im Angriffszentrum. Das vermeintliche 2:1 der Cuedan-Elf wegen einer Abseitsstellung – einige sahen dies anders – nicht gegeben. Ein Distanzfreistoß von Kufner verfehlte das Ziel um einen Meter und als sich bei einer kuriosen Abwehrsituation Soyens Keeper Huber und ein Abwehrspieler kurz vor der Torlinie gegenseitig behinderten, war ein Jettenbacher „Abstauber“ nicht zur Stelle. Das Murren auf den Jettenbacher Zuschauerbänken zu hören, der letzte Einsatz der Grün-Weißen auch wegen des Kräfteverschleiß nicht zu sehen. Der Tabellenvorletzte mit mehr Spielanteilen, aber nur mit einem Distanzschuss von Ridinger, der doch deutlich über den Jettenbacher Kasten ging. Jettenbachs Abwehr mit Zweikampfkönig Thomas Mittermaier sowie Artur Begert, Florian Asanger und Danis Glamocic ließ nur wenig zu. Auf der Gegenseite kam Raphael Kufner nach einer Flanke aus 5 mtr. zum Abschluss. Er entschied sich für die falsche Herangehensweise. Ein Kopfball hätte vielleicht das erlösende 2:1 bedeutet. Im letzten Spielabschnitt nahmen die Spielerwechsel an Fahrt auf, es wurde fleißig ein- und ausgewechselt. Als man sich schon generell auf ein 1:1 (wie im Hinspiel) eingestellt hatte, sollte eine dramatische Schlussphase den finalen fußballerischen Orgasmus einleiten. Der Unparteiische zeigte sich trotz der Hitze gnadenlos, zeigte sieben Minuten Nachspielzeit an. Die erste Minute lief, als Iulian Stoica mit letzter Kraft zu einem Schuss aus 16 mtr. ansetzte. Das „holprige Ei“ überraschte Soyens Keeper Huber und landete zum Entsetzen der Gäste und zum unbeschreiblichen Jubel der Gastgeber im Netz. Es folgte eine Zeitstrafe für Jettenbachs El Mehdi Dkhissi (übertriebene Härte an der Seitenlinie) und eine gelb/rote Karte für Soyens Leo Bacher (Meckern) sowie ein Heber von Stoica, der nur knapp über das Tor ging. Es wäre die Kirsche auf der Torte gewesen, aber auch so reichte es in den letzten beiden Minuten zum Sieg der Siege in der jüngeren Jettenbacher Fußballgeschichte. 

Fazit: 

Schön zu sehen was sich alles an diesem Samstagnachmittag auf dem Jettenbacher Sportplatz abspielte. Danke Jettenbach! – Trainer Dan Cuedan brachte es bei seiner Verabschiedung auf den Punkt. Familienunterstützung allerseits, sogar der Opa der Gottwald-Brothers ließ es sich im Rollstuhl angereist, nicht nehmen, an diesem besonderen Tag die Enkel moralisch zu unterstützen. Danke Hans (über 90 Jahre), man kann da nur den Hut ziehen! Viele Kinder tobten nach dem Schlusspfiff gemeinsam mit der Mama oder dem Papa über das Spielfeld, das auch einige Liter Gerstensaft über sich ergehen lassen musste. Das Jettenbach Lied aus dem Lautsprecher in Dauerschleife. Sorry liebe Tennisspieler nebenan! Der Jubel und die Erleichterung auf Jettenbacher Seite natürlich groß, die Enttäuschung auf Soyener Seite ebenso zu spüren. Es hätte auch anders herum laufen können. Jettenbachs stellvertretender Abteilungsleiter Dominik Dittrich spürte das, brachte einen Kasten „Frustbier“ in die Gästekabine. Der Fußballgott war am Tag des Ehrenamtes auf Seiten der Spielvereinigung. Eine verrückte Saison geht den Ende entgegen. Das letzte Spiel am kommenden Samstag um 15.00 Uhr in Albaching nach dem so eminent wichtigen Erfolg bedeutungslos. Dennoch sollte man sich anständig und sportlich fair verabschieden.

Es heißt nunmehr die richtigen Schlüsse aus einer Saison zu ziehen, die mit nur 3 Siegen aus 20 Spielen sportlich doch enttäuschend verlief. Mit insgesamt nur 11 Punkten zum Klassenerhalt! Es gab hohe zweistellige Niederlagen, es gab den einen oder anderen Knatsch. Die Trainingsbeteiligung mau. Alles vergessen? Nein, es heißt die Saison schonungslos zu analysieren und mit dem neuen Trainer und einer veränderter Mannschaft, mit neuem Mut und Ehrgeiz, die Saison 2026/2027 anzupacken. Nur wenn man es mit absoluten Willen – so wie es ein Thomas Mittermaier auch im letzten Spiel zeigte – angeht, wird man auch weiterhin Erfolg haben. 

Jungs, schreibt es euch hinter die Ohren und Danke für ein geiles, weil erfolgreiches Spiel, das man wegen der Dramatik so schnell nicht vergessen wird.

Noch eine Anmerkung:

Der Showdown in Jettenbach geht weiter. Am kommenden Sonntag den 31.Mai spielen um 13.00 Uhr unsere Damen zuhause gegen die SG Rechtmehring/Oberndorf. Es geht um den Meistertitel in der Kreisliga und den Aufstieg in die Bezirksliga. Auch hier zählt nur der Sieg. Es wäre der größte Erfolg in der Jettenbacher Fußballgeschichte.

Liebe Fans, lasst den Jettenbacher Sportplatz am Sonntag erneut brennen und gebt den Damen die gleiche Unterstützung wie den Herren. Im Wonnemonat Mai soll die Sonne über den Jettenbacher Fußballhimmel scheinen.

Jettenbach – 23.Mai 2026

Bericht: Peter Schillmaier / Fotos mit freundlicher Genehmigung von PatrickGER@web.de